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Was heute kaum noch jemand realisiert:Bad Freienwalde mit seinem weitläufigen Hügelgelände war einst ein Wintersportzentrum, wie man sie sonst nur in Bayern, Thüringen, Riesengebirge und im Harz antraf. Zum  ersten “Märkischen Wintersporttag” vom 12.-14. Januar 1924 kamen Tausende von Besuchern.Rodeln und Eislaufen hatten bereits eine lange Tradition: jetzt wurde der Ski-Langlauf zu einer zunehmend populären Disziplin. Das größte Interesse aber fand das Skispringen. Auf einer aus Schnee gebauten “Sprungschanze” am Papenberg fand 1924 erstmals ein Skispringen statt, bei dem bereits Weiten von 6 bis 9 Metern imponierten. Das war der Anfang. 
1929, beim 3. “Märkischen Wintersporttag” stand am Berghang zur Berliner Straße bereits eine Naturschanze bereit, deren Schanzenrekord bei 28 Metern gelegen haben soll. 24 Meter erzielte Birger Ruud, der spätere Olympia-Sieger.
Mitte der fünfziger Jahre besann man sich der Vorweltkriegstradition: Die Schanze wurde durch einen kleinen Turm im Anlauf erhöht und das Schanzenprofil verbessert, um Weiten bis zu 40 m erzielen zu können.
Die Initiative war vergebens. Vor 41 Jahren fand das letzte Ski-Springen statt. 
Es heißt, der Schnee sei ausgeblieben;dass wir seither nur milde Winter und keinen Schneefall gehabt hätten, wird sich aus den Aufzeichnungen des Wetteramtes wohl nicht ganz überzeugend belegen lassen.
Aus dem Vereinskalender des Wintersportvereins Bad Freienwalde 1923-1932
1923 31.1 Gründungstag des Wintersportvereins Freienwalde a.O.
Ausbau der Rodelbahn;Wanderungen
1924 12.-14.1. Erster Märkischer Wintersporttag
1. Skispringen in Norddeutschlands;Wanderungen
1925 Schaffung der “Papengrundschanze”
Verbesserung der Rodelbahn
1926 Umbau der Sprungschanze
7.7. Motorbootfahrt zum Werbellinsee
Nov.: Einweihung der Skihütte hinter der “Grünen Tanne”
Dez:: Trockenskikursus
1927 Keine wintersportliche Möglichkeit
Nov:: Trockenskikursus
Wanderungen
1928 Keine wintersportliche Möglichkeit
Gründung der Tennisabteilung
Im Sommer: Tennis und Wanderungen
1929 19.-20.1. 3. Märkischer Wintersporttag
Verbandsstaffellauf des N.S.V. (Sieger:Skigilde Berlin)
Einspringen der “Papengrundschanze”
Rodelrennen
27.1.: Vereinsrennen
17.2.:28 km Dauerlauf (Sieger:Thrane, SC Charlottenburg)
in der Zeit von 2 Stunden, 8 Minuten, 29 Sekunden
15 km Langlauf (Sieger: Thrane, SC Charlottenburg)
in der Zeit von 1:6:5
Damen-, Jugend- und Jungmannrennen
Skispringen: (Seeland-Norwegen springt 24 m)
3.März:Springen an der “Papengrundschanze”(Kamitz springt 27,5m)
1930 22. Januar: Werbefilm im Kurtheater
im Januar: Trockenkurs
15. März: Verbandsstaffellauf,Skispringen
1931 8. Februar: Werbeläufe des N.S.V. Skispringen
15 Februar: Springen an der “Papengrundschanze”
21/22.Februar: 4. Norddeutsche Skimeisterschaft (Nordt. Meister:Niels Abel)
15.März: Verbandsstaffellauf;Skispringen (Abel 31m)
26. April: Frühjahrswaldlauf
November: Einführung der Körperschulabende
1932 Keine Wintersportmöglichkeit
17.April: Waldlauf
7. August: Tennisturnier des W.S.V. gegen Skiklub Eberswalde 1925 in
Freienwalde (Sieger: Skiklub Eberswalde)
21.August: Tennisrückspiel gegen Eberswalder Skiklub 1925 in Eberswalde
(Sieger: Skiklub Eberswalde)
November: Bildung der Hockeyabteilung

Aus dem Oberbarnimer Kreiskalender 1942
Freienwalder Wintersport im Kriege
Auch hier galt die Parole: Nun erst recht
In eine Oberbarnimer Zeitung las man vor Jahren als Schlagzeile für einen Bericht die Worte: ”Das märkische St.Moritz”. Mit dieser Bezeichnung hatte der wintersportbegeisterte und zugleich lokalpatriotische Berichterstatter Bad Freienwalde gemeint. Es ist möglich, das mancher und besonders der Fremde leicht gelächelt hat, als er diese Überschrift las. Aber dennoch: Es ist schon etwas Wahres daran, wenn man behauptet, daß die Kreisstadt Oberbarnims ein durchaus annehmbarer und auch beliebter Wintersportplatz ist.
Das beweisen die vielen großen Wintersportveranstaltungen in den letzten Jahrzehnten, von denen teilweise auch in unserm Kreiskalender ausführlich berichtet wurde. Der Krieg schien wie auf so vielen Gebieten auch hier ein energisches Veto einzulegen und den Wintersportbetrieb mindestens für einen größeren Rahmen unmöglich zu machen. Und doch begann der Freienwalder Wintersportverein, der ja stets, wenn nicht als Veranstalter, so doch als Träger der wintersportlichen Ereignisse in der Kreisstadt zeichnet, nach neuen Wegen zu suchen, um diese Sportgattung im Kriege nicht einschlafen zu lassen.
Die beiden schneereichen Winter 1939/40 und 1940/41 brachten dafür die natürlichen Voraussetzungen, und wenn man heute auf die Wintermonate dieser Jahre zurückblickt, kann man mit Freude feststellen, daß zwar auf neuen Wegen, aber mit der alten Aktivität dem Ziel zugestrebt wurde, wintersportbegeisterten Menschen Betätigungsmöglichkeiten zu geben.
....
Da der Leiter des Wintersportvereins Freienwalde zugleich der Bezirksfachwart Skilauf im Bezirk IV Barnim-Uckermark des RGRL ist, hat er auch alle in diesem Bezirk zu betreuen, die Ski laufen. Wenn in früheren Jahren fast regelmäßig jeden Winter Meisterschaften zusammen mit Berliner Sportlern ausgetragen wurden, so war dies infolge kriegsbedingter Verhältnisse nicht möglich. Um so intensiver wurde innerhalb des Bezirks eine große Werbung durchgeführt, um alle Wintersportbegeisterten zu erfassen und sie nach einheitlichen Gesichtspunkten für ihren Sport zu schulen. Aus diesem Grunde fand in Bad Freienwalde am 22. und 23. Februar 1941 eine Tagung statt, auf der die Übungsleiter aus vielen Orten von Barnim-Uckermark durch den Bezirkssportwart Wolf (Berlin) geschult wurden. Diese sollten dann das Gelernte in ihre Vereine weitertragen und allen, die am Skilauf Freude haben, den Sport richtig und nach neuesten Erfahrungen beibringen.
Die meisten Menschen werden ja keine Rennläufer sein, vielmehr das Skiwandern , die “Touristik”, pflegen. Aber auch sie müssen die richtige Fahrtechnik beherrschen, um auftretenden Schwierigkeiten gewachsen zu sein und damit erst rechte Freude am Sport zu haben.Aus dieser Überlegung heraus hat man in Freienwalde und von dort aus im Bezirk Barnim-Uckermark in den Kriegswintern eine Vertiefung der Sportarbeit an die Stelle von Meisterschaftsveranstaltungen treten lassen.
Daneben hat man allerdings im Bereich der Möglichkeiten auch größere Veranstaltungen durchgeführt, so z.Bsp. am 
19. Januar 1941, wo Frauen-, Jungmannen- und Jugendläufe in Bad Freienwalde stattfanden. Die sportliche Ausbeute dieses Tages war gut, wobei sowohl die aus Berlin erschienen Spitzenläuferinnen wie auch die Jugend des Freienwalder Vereins Erfolge erzielen konnten.
Am folgenden Sonntag, dem 26. Januar 1941, war dann Hochbetrieb an der Sprungschanze.Und da muß wieder einmal festgestellt werden, daß gerade im Hinblick auf diese Schanze Freienwalde die eingangs erwähnte Bezeichnung “Das märkische St.Moritz” verdient. Es ist die erste Sprungschanze, die in Norddeutschland angelegt wurde, wie auch in Freienwalde das erste Springen Norddeutschlands überhaupt einmal stattgefunden hat. Die Tatsache, daß es sich hier um eine sogenannte Naturschanze handelt, die keinen künstlichen Aufbau notwendig machte, stellt sie in die Reihe der besten Schanzen überhaupt. Sie ist für jeden Springer möglich und bezwingbar, andererseits aber bei 28 bis 30 Grad verhältnismäßig steil und läßt Sprünge bis zu 30 Metern zu. Wenn diese verhältnismäßig selten erzielt werden, so liegt das zumeißt - abgesehen vom Können des einzelnen - an den Schneeverhätnissen unserer Gegend, die in der Regel nicht ausreichen.
Nach diesem Abschweifen ins Grundsätzliche zurück zum 26.Januar! An diesem Tage waren mehrere Berliner gute Durchschnittssspringer nach Freienwalde gekommen und erzielten Weiten bis zu 25,5 Meter.
Die Freienwalder Jungmannen, die sich gerade im Springen immer wieder gern üben, hatten hier allerdings Pech. Kameraden von ihnen konnten aber einen Tag zuvor in Berlin bei einem Langlauf zu bemerkenswerten Erfolgen kommen.
Auch für heitere und kameradschaftliche Veranstaltungen hat der Wintersportverein Freienwalde in den beiden Wintern gesorgt, wobei besonders an den frohen Nachmittag mit dem hübschen Titel “Narren im Schnee” erinnert sei, der neben gutem sportlichen Können allerlei lustige Szenen brachte.

Aus dem Heimatkalender Bad Freienwalde 1957
Im Perspektivplan zur Förderung der Jugend im Bezirk Frankfurt/O. 1957 heißt es: “In Rauen und in Freienwalde sind die vorhandenen Anlagen für das Skispringen weiter zu verbessern.” Damit war den Freunden des Wintersportes in Freienwalde nicht nur die große Freude gemacht, ihre alte, sturmerprobte Papengrundschanze erhalten und anerkannt zu sehen, sondern es sollte diese schöne Sportstätte auch verbessert und den modernen Anforderungen entsprechend eingerichtet werden.
Unter den Sportfreunden, die mit großem Eifer daran gingen, die ihnen gestellte Aufgabe zu lösen, gab es einige, die sich noch an die Anfänge des Weißen Sports in Freienwalde erinnern konnten.
....(Es erfolgt ein geschichtlicher Rückblick.Anmerk der Red.)
Nun sind unsere Sportler wieder dabei, die Schanze neu herzurichten.Genau nach den Vorschriften der Internationalen Wettlaufordnung und nach den entsprechenden Bestimmungen unserer Republik geschieht der Umbau. Der Anlauf ist verlängert und steiler (30°) gelegt worden, auch der Aufsprung hat eine größere Neigung (34°) erhalten. Der “kritische” Punkt , die Stelle wo sich die Aufsprungkurve und die Auslaufkurve berühren, bzw. die eine in die andere übergeht, liegt bei etwa 34 m. Da der kritische Punkt bis zu 10 Prozent übersprungen werden darf, sind bei guten Schneeverhätnissen Sprünge bis zu 38 m zu erwarten. Natürlich sehen wir alle der nächsten Saison mit Ungeduld entgegen.
Unserer Regierung sind wir dankbar, daß sie uns in großzügiger Weise diese Umbauten ermöglichte. Unsere Jugend möge aber bedenken, daß alle, die planend oder mit der Schippe auf der Schanze gearbeitet haben, das alles für sie getan haben. Sie mögen deshalb auch die Sprungschanze in besondere Pflege übernehmen und darüber wachen, daß sie in Ordnung bleibt.
 
 
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